30. Dezember 2016 1 comments

Die OHG-Offene Handelsgesellschaft

 Die OHG / Offene Handelsgesellschaft

Eine OHG ist im Besonderen für Kleine und Mittlere Unternehmen geeignet, da sie als Gesellschaftszweck den Betrieb eines Handelsgewerbes mehrerer Gesellschafter in sich vereint. Alle Gesellschafter haften gegenüber den Gläubigern uneingeschränkt mit ihrem Firmen- und Privatvermögen. Die Offene Handelsgesellschaft ist eine Weiterentwicklung der GbR und besonders für den Zusammenschluss mehrerer Kaufleute geeignet.

Was ist ein Handelsgewerbe?

Ein Handelsgewerbe beschreibt ein Unternehmen, welches eine typische Handelstätigkeit ausübt. Hierzu zählen:

  • Groß- und Einzelhandelsunternehmen
  • produzierende Gewerbeunternehmen
  • Banken
  • Versicherungsgewerbe
  • Transportgewerbe
  • Handelsvertreter und viele mehr

Finden Sie die detaillierte Regelung über die Bezeichnung eines Handelsgewerbes im HGB.

Gründung:

Eine OHG ist eine Personenhandelsgesellschaft und der persönliche Einsatz der Gesellschafter steht hierbei im Vordergrund. Die Gründung bedarf nicht eines bestimmten Stammkapitals. Bei einer OHG haben alle Gesellschafter die gleichen Rechte und Pflichten und jeder verfügt über die alleinige Geschäftsführungsbefugnis und alleinige Vertretungsmacht. Vertraglich können hier jedoch abweichende Regularien vereinbart werden. Eine OHG kann vor Gericht klagen und verklagt werden, sie kann Rechte erwerben und Verbindlichkeiten eingehen, Eigentum und andere dingliche Rechte an Grundstücken erwerben. Bei einer OHG sind die Gesellschafter Vollkaufleute und haften mit dem Gesellschaftsvermögen und ihrem Privatvermögen. Eine Haftungsbeschränkung ist hier nicht möglich.

Möchte man eine OHG gründen sollte im ersten Schritt ein Gesellschaftsvertrag erstellt werden. Die Gründung kommt nur dann zustande, wenn mindestens zwei Gesellschafter den Vertrag schließen. Eine Offene Handelsgesellschaft kann mittels natürlicher oder juristischer Personen gegründet werden. Ein Ausscheiden oder ein Wechsel des Gesellschafters kann nur unter Zustimmung aller Gesellschafter erfolgen, sofern dies vertraglich nicht anders geregelt wurde.

Namensgebung:

Der Zusatz OHG ist im Geschäftsverkehr immer im Anschluss an den Firmennamen zu führen.

Gesellschaftervertrag:

Der Gesellschaftsvertrag hat folgende Angaben zu beinhalten:

  • Gegenstand der Tätigkeit
  • Firma der Gesellschaft
  • Art und Umfang der Einlagen der Gesellschafter
  • Geschäftsführungsbefugnis
  • Vertretungsbefugnis
  • Gewinnverteilung  und Verlustverteilung
  • Beendigung der Gesellschaft
  • Ausscheiden von Gesellschaftern

Ein Gesellschaftervertrag einer OHG kann Form frei erstellt werden, Grundlage aller Regulierungen ist das HGB.

Anmeldungen:

Eine OHG ist zur Eintragung ins Handelsregister über einen Notar verpflichtet. Die Anmeldung zum Handelsregister ist von sämtlichen Gesellschaftern vorzunehmen und muss den Namen, Vornamen, Beruf und Wohnort der Gesellschafter, die Firma der Gesellschaft und den Ort & Sitz der Unternehmung sowie Startzeitpunkt enthalten. Die Eintragung des Unternehmens in das Handelsregister ist öffentlich und wird durch Veröffentlichung im elektronischen Bundesanzeiger bekanntgemacht.

Regularien:

Gesellschafter Beschlüsse sind grundsätzlich einstimmig zu fassen, das Verfahren ist Form frei und die Vertretung der OHG nach außen erfolgt durch die Gesellschafter. Vertretungsberechtigt ist grundsätzlich jeder Gesellschafter in Einzelvertretungsvollmacht. Soll eine Beschränkung der Vertretungsvollmacht erfolgen, so ist dies vertraglich festzuhalten und eine entsprechende Eintragung ins Handelsregister wird erforderlich. Ebenso ist die Erteilung der Prokura ins Handelsregister einzutragen.

Alle Geschäftspapiere sind mit folgenden Angaben zu versehen: Firmennamen, Rechtsform, Ort der Niederlassung, Amtsgericht des Handelsregisters, Handelsregisternummer.

Bei einer Gesellschaft, bei der kein Gesellschafter eine natürliche Person ist, sind außerdem sämtliche gesetzlich vorgeschriebene Angaben der Gesellschafter zu machen.

Buchführungspflicht:

Jedes kaufmännische Unternehmen ist verpflichtet Handelsbücher zu führen die Auskunft über die Handelsgeschäfte und die Vermögenslage geben. Es ist der ordnungsgemäßen Buchführung Folge zu leisten und eine Bilanz am Ende des Jahres von Nöten und ebenso eine Gewinn- und Verlustrechnung.

 

Kapitalbeschaffung

Die OHG kann Investoren und Mitarbeiter auf zwei Wegen einbinden: entweder als stille Gesellschaft oder als Kommanditisten. Dies stellt für Investoren neben der gesetzlichen Buchführungspflicht einen Pluspunkt dar, der die Attraktivität der OHG gegenüber der GbR erhöht. Mitarbeiter bekommen Einblick in den Jahresabschluss.

Vorteile

  • kein Mindestkapital
  • bei Kreditinstituten hat die OHG ein höheres Ansehen und höhere Kreditwürdigkeit als die Einzelunternehmen
  • jeder Gesellschafter hat ein hohes Maß an Mitbestimmungsmöglichkeiten
  • der Gesellschaftsvertrag kann relativ frei gestaltet werden
  • das Unternehmen kann flexibel geführt werden

Nachteile

  • Handelsregistereintrag ist zwingend vorgeschrieben
  • OHG ist buchführungspflichtig
  • Alle Gesellschafter haften uneingeschränkt mit ihrem Privatvermögen
  • Wegen der erforderlichen Kaufmannseigenschaft ist die Gründung und Führung der OHG mit Formalitäten verbunden
  • Unternehmensform nur für Vollkaufleute
  • volle unbeschränkte Haftung aller Gesellschafter
  • starkes Vertrauensverhältnis unter Gesellschafter wegen der “Einzelvertretungsmacht” erforderlich
  • Streitigkeiten zwischen den Gesellschaftern können den Bestand der Gesellschaft gefährden
  • Nachfolge Probleme, falls der Gesellschaftervertrag mit dem Testament nicht übereinstimmt

Egal wie auch immer Sie sich letztlich entscheiden: lassen Sie sich steuerlich, rechtlich und unternehmerisch beraten, damit Sie für sich und für Ihr Unternehmen die passende Rechtsform wählen. Lesen Sie auch unsere Beiträge zu weiteren Gesellschaftsformen…

 


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