27. Dezember 2016 1 comments

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, GbR

Die GbR-Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Es gibt eine Vielzahl an Gesellschaftsformen aus welchen man bei einer Unternehmensgründung wählen kann. Doch welche Rechts- und Gesellschaftsform eignet sich wirklich für das geplante Unternehmen? Hier wird die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts näher betrachtet.

Eines sollte gleich zu Anfang erwähnt werden: wenn man Personengesellschaften in Erwägung zieht, dann bieten diese einen schnellen und kostengünstigen Start in die Selbstständigkeit ohne großen bürokratischen und finanziellen Aufwand. Gründen Sie ihr Unternehmen nicht alleine sondern es finden sich mindestens zwei Personen zu diesem Vorhaben zusammenfinden, dann entsteht eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).

Die Gründung: Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?

  • es müssen mindestens zwei Personen die Gesellschaft gründen
  • ein Gesellschafter kann auch eine GmbH sein
  • ein schriftlicher Vertrag ist zur Gründung nicht vorzulegen, der  Vertrag kommt bereits durch die mündliche Vereinbarung der Partner zu Stande
  • jede erlaubte gewerbliche Tätigkeit kann als Geschäftszweck angemeldet werden

Tipp:Es ist aber in jedem Fall anzuraten einen schriftlichen Vertrag anzufertigen, damit man im Falle von

Uneinigkeiten unter den Partnern alle Vereinbarungen in Schriftform vorliegen hat.

Eine GbR ist kein Handelsgewerbe, wie etwa eine GmbH sondern wird vielmehr als Kleingewerbe bewertet. Erwirtschaftet Ihr Unternehmen mehr als 100.000 Euro pro Jahr, so kann eine Einrichtung eines Handelsgewerbes vom Seiten des Finanzamts gefordert werden. Eine GbR wird automatisch zur OHG, wenn aus dem Kleingewerbe ein Handelsgewerbe wird.

Haben Sie sich zur Gründung entschieden haben benötigen Sie kein Stamm- oder Mindestkapital.

Haftung:

Bitte vergessen Sie aber nicht, dass Sie bei einer GbR mit Ihrem Privatvermögen haften. Gründen Sie die Gesellschaft gemeinsam mit einer GmbH, so kann die Private Haftung beschränkt werden. In diesem Fall ist allerdings ein Mindest-/ Stammkapital für die Kapitalgesellschaft notwendig. Die Haftung einer GbR verteilt sich in der Regel zu gleichen Teilen auf die Gesellschafter, es sei denn man hat die Anteile der jeweiligen Teilhaber in einem GbR Vertrag explizit aufgeschlüsselt.

Geschäftsführung:

Die Geschäftsführung sich prinzipiell aus einer gemeinsamen Berechtigung aller Teilhaber zusammen. Der gemeinsame Geschäftszweck muss der gleichen Sache dienen. Individuelle Regelungen sollten Sie in Ihrem Gesellschaftsvertrag schriftlich festhalten. Allen Gesellschaftern steht ein Kontrollrecht und Informationsrecht zu, auch den nicht vertretungsberechtigten Gesellschaftern. Größere Geschäfte und bedeutsame Entscheidungen benötigen stets der Zustimmung aller Gesellschafter.

Gesellschaftervertrag:

Eine Gründung sollte in einem formlosen Vertrag schriftlich festgehalten werden. Allerdings ist der Gesellschaftervertrag auch mündlich wirksam. Die Schriftform ist jedoch in jedem Fall anzuraten, da diese eine gewisse Rechtssicherheit garantiert und klar und deutlich die rechtlichen Regularien und Vereinbarungen der Teilhaber fixiert.

In einem Gesellschaftervertrag für eine GbR Gründung sollten folgende Punkte schriftlich fixiert werden:

  • der Gesellschaftszweck und das Geschäftsvorhaben
  • Festlegung der Geschäftsführung und Vertretungsberechtigung
  • Interne Haftungsverteilung/ Positionsverteilung
  • Vergütung der Tätigkeiten, Entnahmerecht der Teilhaber, Gewinn- und Verlustverteilung, Informationspflicht und Rechte der einzelnen Teilhaber
  • Kontrollrechte und Pflichten der einzelnen Gesellschafter
  • Wettbewerbsverbote
  • Regelungen für den Fall der Abtretung von Geschäftsanteilen,Regelungen für den Fall des Ausscheidens eines Gesellschafters
  • Regelungen für den Fall des Todes eines Gesellschafters, Regelung von Abfindungen

Des Weiteren würden wir anraten, dass Sie sich hierzu anwaltlich beraten lassen und / oder Musterverträge eines Anwaltes verwenden.

Anmeldung:

Eine GbR wird bei dem zuständigen Gewerbeamt angemeldet. Dort müssen alle gründenden Teilhaber registriert werden. Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts darf keine Firma im Sinne des Handelsgesetzbuches führen, da sie kein Kaufmann ist. Daher ist bei der Gründung keine Eintragung in das Handelsregister vorzunehmen. Nach der Anmeldung der Gesellschaft werden Sie zeitnah von dem zuständigen Finanzamt kontaktiert. Sie erhalten dann den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, welchen Sie genau ausfüllen sollten. Auftretende Fragen beim Ausfüllen des Bogens zur steuerlichen Erfassung kann Ihnen Ihr Steuerberater fachkundig beantworten. Bitte Nutzen Sie diese Expertise, damit Ihnen nicht ein Fehler unterläuft, der Sie anschließend viel Geld kosten kann.

Namensgebung:

Gründet man eine neue Gesellschaft,dann macht man sich bereits im Vorfeld Gedanken zur Namensgebung. Da es sich bei der Gesellschaft bürgerlichen Rechts nicht um eine im Handelsregister eingetragene Firma handelt, muss in allen Geschäftsunterlagen der Vor- und Nachname jedes einzelnen Gesellschafters auftreten. Zusätzlich zu den persönlichen Namen der Gesellschafter kann ein Firmenname geführt werden.

Rechnungslegung und Buchführung:

Die Regeln zur Rechnungslegung und Buchführung sind für eine Gesellschaft öffentlichen Rechts in diesem Fall relativ einfach. So müssen Ihre Geschäftstätigkeiten genau dokumentiert werden, damit die Umsätze sowie die erzielten Gewinne eindeutig nachzuvollziehen sind. Eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) ist erst einmal ausreichend. Die Bilanzierungspflicht entsteht für eine GbR erst wenn ein Umsatz von mehr als 600.000 € oder ein Gewinn von über 60.000 € erzielt wird. Gesellschafter Gehälter können nicht als Aufwand in der Steuererklärung der GbR geltend gemacht werden und mindern somit auch nicht den zu versteuernden Gewinn der Gesellschafter. Als Besteuerungsbasis wird hier die Gewinnverteilung der Gesellschafter zugrunde gelegt. Ist der Gesellschafter keine GmbH, so gilt er als natürliche Person und die Einkommenssteuer wird zur Besteuerung angewendet. Ist der Gesellschafter eine GmbH findet die Körperschaftssteuer Anwendung. Die Gewerbesteuer wird aufgrund des entsprechenden Hebesatzes der jeweiligen Gemeinde (am Sitz der Gesellschaft) und dem Gewinn berechnet. Steuerliche Freibeträge werden hierbei natürlich miteinbezogen. Die Umsatzsteuer für erbrachte Leistungen und Lieferungen der GbR müssen an das Finanzamt abgeführt werden. Wenn die Umsätze der GbR zu gering sind, kann unter Umständen eine Umsatzsteuerbefreiung erwirkt werden.

Gesellschafter:

Eine GbR unterliegt einigen Risiken. Im Falle das nach einer GbR Gründung ein Teilhaber austritt, hat dies in den meisten Fällen eine Auflösung der GbR zur Folge. In Ihrem Gesellschafter Vertrag sollten Sie für diesen Fall eine Regelung schriftlich festhalten und somit die Zerschlagung der Gesellschaft zu verhindern. Tritt dieser Fall ein, besteht ein Abfindungsanspruch gegen die übrigen Gesellschafter. Zudem sollte ein ausscheidender Gesellschafter einer GbR darüber informiert sein, dass trotz seines Ausscheidens aus der GbR, die Haftung für einen Zeitraum von 5 Jahren nach seinem Ausscheiden und über entstandene Verbindlichkeiten vor seinem Ausscheiden, weiter bestehen bleibt. Eine Auflösung der GbR bei Erreichung des Gesellschaftszweck ist ebenfalls möglich. Ist es geplant, dass neue Gesellschafter nach der GbR Gründung aufgenommen werden sollen, so erfordert dies einen Vertrag mit den jetzigen Gesellschaftern und dem neuen Gesellschafter. Alle bisherigen Gesellschafter müssen dieser Aufnahme Zustimmen.

Fazit:

Eine GbR ist eine gute, kostengünstige und leicht zu gründende Gesellschaftsform. Diese Gesellschaftsform kommt in Frage, wenn der Geschäftszweck kein großes Risiko in sich trägt und man die Rechte und Pflichten vorab in einem Gesellschafter Vertrag schriftlich fixiert. Sind Unternehmungen mit großem Kostenaparat und hohen Einnahmen oder einem starken Handelsaufkommen geplant, eignet sich die GbR nicht.

 


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